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Sprachmanipulationen

Sprache als Mittel der Manipulation

Liest man die Nachrichten, oder hört sie im Radio, oder sieht sie im Fernsehen, so ist man als sprachlich interessierter Mensch regelmäßig fasziniert. Oder, wäre „abgestoßen“ vielleicht richtiger? Unsere Sprache scheint entweder gezielt manipuliert zu werden, oder aber die überwiegende Mehrzahl der Pressevertreter weiß nicht, was ein Euphemismus ist, oder eine Konnotation, oder…

Man braucht jetzt nicht gleich das Wörterbuch des Unmenschen zu bemühen, wo der Holocaust als „Endlösung“ verharmlost wurde, es reicht schon, eine Tageszeitung aufzuschlagen, um zu sehen, wie wir mit Sprache umgehen. „Unternehmen X baut Arbeitsplätze ab“, heißt es dort. Schön unpersönlich geschrieben, so wie man auch schreiben könnte, dass irgendwo Kohle abgebaut wird. Was steckt aber dahinter? Es werden Menschen die Kündigung erhalten, sie werden arbeitslos. Sprachlich richtiger wäre es also, zu schreiben „Unternehmen X entlässt Mitarbeiter“. Die unpersönliche Konstruktion verbirgt demnach die harte Wahrheit.

Ein anderes Beispiel. Wenn es einem Unternehmen gut geht, liest man vielleicht „Firma A konnte den Gewinn um 100 Millionen steigern“. So weit, so gut, doch wenn es dem Unternehmen schlecht geht, was schreibt man dann? „Firma A musste einen Umsatzrückgang hinnehmen“ oder „Der Gewinn von Firma A brach ein“. Analysieren wir einmal den sprachlichen Hintergrund. Der erste Satz ist eine Aktivkonstruktion, das heißt die Firma hat es aus eigener Kraft geschafft, den Gewinn zu verbessern. Die Gegenbeispiele jedoch sind Passivsätze, das heißt die Firma konnte sozusagen gar nichts machen, es ist einfach passiert. Merke: Sprachlich gesehen ist die Unternehmensführung nur für gute Zahlen verantwortlich. Schlechte Zahlen erleidet sie einfach nur. Kommt man da nicht ins Grübeln? Vielleicht hat man damit aber auch die Begründung gefunden, warum auch in schlechten Zeiten oft die Vorstandbezüge dennoch steigen, im Gegensatz zu denen der einfachen Arbeitnehmer.

Es ließen sich zahlreiche weitere Beispiele anführen. So haben immer mehr Begriffe der Militärsprache Eingang in den Alltag gefunden, was ebenfalls nicht unproblematisch ist, und vielleicht einmal einen gesonderten Beitrag wert wäre. Gleiches gilt für die berühmten „Unwörter“.

Ich würde mir wünschen, dass Journalisten beim Einsatz von Sprache etwas mehr nachdenken. Bei Politikern verstehe ich noch, dass sie das Wahlvolk manipulieren wollen, aber ist die Presse nicht frei und unabhängig?

 

 

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