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Ausnahmezustand

Ausnahmezustand – oder, wehe, wenn der Präsident kommt

Der 23. Februar 2005 ist kein Tag wie jeder andere. Nach dem guten alten Motto: „Alle Räder stehen still, wenn George W. Bush es will“ werden im Rhein-Main-Gebiet Autobahnen gesperrt, Bahn- und Schiffsverkehr unterbrochen, Straßen blockiert, Flugzeuge umgeleitet  und vieles mehr. Man schweißt Gullideckel zu, fordert Firmen auf, Grabsteine oder Container zu beseitigen, und vieles mehr. Anwohner dürfen nur nach Kontrollen in ihre Wohnung? Naja, hätte schlimmer kommen können, immerhin dürfen sie überhaupt die Stadt betreten, nicht wahr? Die Kosten? Tja, die trägt jeder Bürger selbst, einmal direkt, und dann, über seine Steuern, noch einmal indirekt.

Herr Beck, seines Zeichens Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hält die Beschwerden für lächerlich und vergleicht sie mit der Frage, ob ein Gast ein oder zwei Gläser Wein trinkt. Ist dieser Mann eigentlich noch zurechnungsfähig? Wie wäre es denn, wenn man ihm als kleinen Zuschuss 50% der Bezüge streichen würde? Wir reden hier über vollkommen überzogene, absolut beispiellose Sicherheitsmassnahmen. Tausende von Pendlern erreichen nur unter extremen Umständen ihre Wohnungen oder Arbeitsplätze, Weltkonzerne stellen die Produktion ein, selbst die krisengeschüttelte Opel AG. Oder, Herr Beck, finden Sie es etwa angemessen, wenn Menschen nicht die Fenster öffnen dürfen und ihre Autos meilenweit entfernt parken müssen, wenn Garagen versiegelt und Firmenfuhrparks versetzt werden? Wenn Sie diese Fragen mit ja beantworten, wünsche ich Ihnen, bei der nächsten Wahl einen handfesten Denkzettel zu erhalten.

Man fragt sich natürlich nach dem Sinn des Ganzen. Ja, George Bush ist ein potentielles Anschlagsopfer. Das ist der Papst, oder Präsident Putin, aber auch. Rechtfertigt das, eine ganze Wirtschaftsregion zu lähmen? Und, zweite Frage, warum zahlen deutsche Bürger die Zeche? Richtig wäre es, sämtliche Kosten direkt an die USA weiterzubelasten. Wenn diese nicht zur Zahlung bereit sind, mag Herr Bush in Texas bleiben, und das „alte Europa“ in Frieden lassen. Eine Alternative könnte es sein, ihn in einen Kampfpanzer zu setzen. Da ist er vor allem, was potentielle Attentäter realistisch gesehen einsetzen könnten, sicher (es sei denn, Osama Bin Laden stiehlt einen Kampfhubschrauber oder eine Atombombe…) – und der Bürger bekäme gleich die richtige Optik des Besuchs, nämlich „America at war“.

Auf diese Art schafft sich Herr Bush sicher keine Freunde in Deutschland, und unsere Regierung sollte sich fragen, ob sie nicht jede Bindung zur Realität verloren hat. Als Kennedy vor 40 Jahren kam, jubelten die Menschen am Straßenrand. Heute, wenn Bush kommt, jubeln sie, wenn er endlich wieder weg ist, und Normalität einkehrt. Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass wenigstens einige Richter den Mut finden, betroffenen Unternehmen Schadensersatz zuzusprechen.

PS: Was ist eigentlich der Sinn des Staatsbesuches? Und warum eigentlich Mainz? Wenn die Sicherheitsbedenken so extrem sind, hätte man sich wohl besser auf Helgoland getroffen (und die Insel evakuiert), oder wie wäre es mit der Zugspitze?

 

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